Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem

Sonderausstellung 2002 - Die Pflanzenwelt im antiken Griechenland

Die unabdingbare Voraussetzung für die Entstehung der griechischen Hochkultur, wie sie uns aus der klassischen Periode bekannt ist, war der Transfer eines Pakets von Kulturpflanzen und Nutztieren aus dem Nahen Osten. Emmer, Weizen, Gerste, Erbsen, Linsen, Flachs, ebenso wie Schaf, Ziege, Schwein und Rind stammen aus dem Gebiet des sogenannten Fruchtbaren Halbmond. Die neolithischen Siedler brachten sie in den östlichen Mittelmeerraum. Erst die Überschüsse aus Landwirtschaft und Viehzucht gestatteten Seßhaftwerdung und jene soziale Differenzierung, die für Hochkulturen typisch ist.

Diese sogenannte neolithische Revolution führte zu tiefgreifenden sozialen Veränderungen, für die kein Wort zu groß ist. Noch Jahrtausende später erinnern Pflanzen auf griechischen Münzen an diese Umstellung: wir finden Darstellungen von Gerstenähren, von Olivenzweigen, aber auch von Sellerieblättern und Mohnkapseln.

Daß sich die Menschen im alten Griechenland zu verschiedenen Anlässen mit Pflanzen geschmückt haben, wissen wir sowohl aus detailgenauen Nachbildungen in Metall als auch aus Texten. Aus dieser Kenntnis wurden Blütenkränze angefertigt und sind in ihrer vollen Schönheit zu sehen.

Durch archäologische Funde ist auch die Verwendung von Duftölen im alten Griechenland belegt, doch war bisher sehr wenig über die verwendeten Materialien bekannt. Dank einer Zusammenarbeit mit der Aristoteles-Universität in Thessaloniki können in der Ausstellung erstmals Düfte vorgestellt werden, die nach dokumentierten Rezepten aus byzantinischer Zeit nachgekocht wurden.

Da die Levante, und damit auch weite Teile des klassischen Griechenlands, sehr lange zum osmanischen Reich zählten, kam es zu einer weitgehender Vernichtung der alten griechischen Kultur. Damit einher ging ein bedeutender Verlust an Wissen über Pflanzen und Gärten im alten Griechenland.

Im 17. und 18. Jahrhundert beschäftigten sich Reisende, vor allem Engländer, wie Texte und Abbildungen belegen, erneut mit der griechischen Antike. Sie schufen mit dem 'Greek Revival' die Grundlagen unseres modernen Verständnisses für das alte Griechenland und seine Pflanzenwelt.

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